Gesundheitssektor und Märkte

Der Gesundheitssektor zählt nach wie vor zu den weltweit bedeutendsten Wirtschaftszweigen und gilt als weitestgehend konjunkturunabhängig. Die Nachfrage insbesondere nach lebensrettenden und lebenserhaltenden Produkten und Dienstleistungen wird aufgrund ihrer medizinischen Notwendigkeit und der Alterung der Gesellschaft weiter steigen.

Experten schätzen jedoch, dass weitere staatliche Finanzierungsengpässe zu größerem Preisdruck und langsamerem Umsatzwachstum führen könnten, da die Regierungen die Ausgaben im Gesundheitswesen zu senken versuchen.

Bei allen Herausforderungen erwarten Branchenbeobachter für den Sektor auch in nächster Zeit eine vergleichsweise solide finanzielle Entwicklung. Demografische Entwicklungen sowie der wissenschaftliche Fortschritt und die große Zahl der noch schwer oder überhaupt nicht heilbaren Erkrankungen dürften das Wachstum vorantreiben. Darüber hinaus sollten der Bedarf nach einer breiteren medizinischen Basisversorgung und die zunehmende Nachfrage nach hochwertigen Therapien in den Schwellenländern auch weiterhin zu stetigen Zuwachsraten führen.

DER DIALYSEMARKT

Wir erwarten, dass auch in den kommenden Jahren die Zahl der Dialysepatienten weltweit um etwa 6 % p. a. zunehmen wird. Dabei sollten die zum Teil erheblichen regionalen Unterschiede unverändert bestehen bleiben: Für die USA, Japan sowie Mittel- und Westeuropa rechnen wir angesichts der bereits relativ hohen Prävalenz mit einem Wachstum der Patientenzahlen in der Größenordnung von 3 bis 5 % p. a. In vielen Entwicklungsländern jedoch ist der Bedarf längst noch nicht gedeckt. Hier erwarten wir eine Zunahme der Patientenzahlen von bis zu 10 %, in einzelnen Ländern sogar noch darüber. Dieses Wachstum wird getrieben durch die sich stetig entwickelnden Gesundheitssysteme, die eine zunehmende Versorgung der Patienten gewährleisten. Die Tatsache, dass mehr als 80 % der Weltbevölkerung in vergleichsweise wirtschaftlich wachstumsstarken Ländern leben, macht deutlich, wie groß das Potenzial für das gesamte Spektrum der Dialysebehandlung und -produkte ist.

Nicht zuletzt tragen demografische Faktoren zu weiter wachsenden Dialysemärkten bei, u. a. die älter werdende Bevölkerung und die steigende Zahl von Menschen, die an Diabetes und Bluthochdruck leiden. Dies sind Erkrankungen, die dem terminalen Nierenversagen oft vorausgehen. Zudem steigt die Lebenserwartung von Dialysepatienten dank der sich stetig verbessernden Behandlungsqualität und des auch in den Entwicklungsländern steigenden Lebensstandards.

Wir gehen davon aus, dass der globale Dialysemarkt – unveränderte Wechselkursrelationen vorausgesetzt – im Jahr 2011 um etwa 4 % wachsen wird (2010: rund 69 Mrd €).

Im Januar 2011 wurde in unserem größten Absatzmarkt – den USA – ein neues Pauschalvergütungssystem für staatlich versicherte Dialysepatienten eingeführt. Alle Produkte und Dienstleistungen, die bislang gemäß dem Erstattungssatz (Composite Rate) vergütet wurden, sowie separat erstattete Leistungen, wie die Verabreichung bestimmter Medikamente und die Durchführung von diagnostischen Labortests, werden künftig mit einem Pauschalsatz erstattet. Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

DER MARKT FÜR INFUSIONS- UND ERNÄHRUNGSTHERAPIEN, GENERISCHE I.V.-ARZNEIMITTEL UND MEDIZINTECHNISCHE PRODUKTE

Der Markt für Infusionstherapien und klinische Ernährung in Mittel- und Westeuropa wird in den kommenden Jahren voraussichtlich auch weiterhin im niedrigen einstelligen Prozentbereich wachsen. Allerdings setzen sich Bestrebungen zur Kosteneinsparung im Gesundheitswesen vor dem Hintergrund der Finanzsituation der Länder unvermindert fort. Hohes Wachstumspotenzial bieten uns nach wie vor die Regionen Asien-Pazifik – hier vor allem China – sowie Lateinamerika und Osteuropa. Dort erwarten wir, dass sich das Marktwachstum im hohen einstelligen bis zweistelligen Prozentbereich fortsetzen wird.

Bei generischen I.V.-Arzneimitteln wird die Wachstumsdynamik auch weiterhin durch den Ablauf des Patentschutzes von Originalpräparaten getrieben. Gegenläufig wirkt der Preisrückgang der bereits im Markt befindlichen Produkte. Wir gehen davon aus, dass das Marktwachstum bei generischen I.V.-Arzneimitteln im Jahr 2011 in Mittel- und Westeuropa und den USA im mittleren einstelligen Prozentbereich liegen wird.

Auch auf dem Markt für medizintechnische Produkte sehen wir in den nächsten Jahren eine steigende Nachfrage.


Quellen: IMS Health Forecasts

DER DEUTSCHE KRANKENHAUSMARKT

Der Deutsche Bundestag hat zum Ende des Jahres 2010 das Gesetz zur nachhaltigen und sozial ausgewogenen Finanzierung der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV-FinG) verabschiedet, das auch den Krankenhausmarkt beeinflussen wird. Um das prognostizierte Defizit von 9 Mrd € bei den Gesetzlichen Krankenkassen auszugleichen, werden durch das GKV-FinG alle wesentlichen Akteure im Gesundheitsmarkt beteiligt. Der geschätzte Beitrag der Krankenhäuser zur Deckung der Finanzierungslücke liegt bei rund
0,5 Mrd € im Jahr 2011.

Die aktuellen Reformen beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit der Einnahmeseite der gesetzlichen Krankenkassen und den Kostendämpfungsmaßnahmen; sie begründen bisher keine wesentlichen Veränderungen in Hinblick auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Akut- und Rehabilitationsklinikenmarkt.

Im Hinblick auf die Finanzierung können die Krankenhäuser auch im Jahr 2011 grundsätzlich mit steigenden Budgets rechnen. Der Preiszuwachs für Krankenhausleistungen jedoch wird durch das GKV-FinG auf 0,9 % reduziert. Dies entspricht einer Kürzung der Grundlohnrate um 0,25 Prozentpunkte. Für das Jahr 2012 wird eine Kürzung der Grundlohnrate um maximal 0,5 Prozentpunkte erwartet. Darüber hinaus werden im Jahr 2011 gegenüber dem Jahr 2010 vereinbarte Mehrleistungen grundsätzlich nur noch zu 70 % erstattet.

Durch die reduzierten Erlössteigerungen können voraussichtlich nicht alle erwarteten Kostensteigerungen in den Krankenhäusern – insbesondere im Personalbereich aufgrund von Tarifsteigerungen – abgedeckt werden. Der Kostendruck und die Notwendigkeit weiterer Einsparungen im Krankenhausbetrieb bleiben erhalten.

In Deutschland werden seit Beginn des Jahres 2010 akutstationäre Krankenhausleistungen ausschließlich auf Basis der Landesbasisfallwerte (DRG-System) abgerechnet. In einem Zeitraum von fünf Jahren, beginnend im Jahr 2010, sollen die unterschiedlichen Landesbasisfallwerte dann schrittweise auf einen einheitlichen bundesweiten Basisfallwertkorridor angenähert werden. Die ursprünglich geplante Angleichung an einen einheitlichen Bundesbasisfallwert ab dem Jahr 2015 wurde aufgehoben.

Aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit dem DRG-System, der guten Fallzahlentwicklung sowie der nunmehr abgeschlossenen Konvergenzphase erwartet HELIOS jedoch keine grundlegenden Veränderungen in der Finanzierung ihrer Leistungen.

Im Rahmen des Krankenhausfinanzierungsreformgesetzes (KHRG) sollen die Kriterien für eine Umstellung auf eine pauschalisierende Investitionsfinanzierung durch die Kostenträger bis zum Jahresende 2012 erarbeitet werden. Anstelle der bislang antragsbasierten Investitionsfinanzierung der Krankenhäuser soll den Ländern eine leistungsorientierte Verteilung von Investitionsmitteln ermöglicht werden. Im Einklang mit dem DRG-System ist geplant, Investitionspauschalen aus einem jeweils auf der Landesebene festzulegenden Investitionsfallwert und bundeseinheitlichen Investitionsbewertungsrelationen zu ermitteln.

Der steigende Bedarf an Investitionsmitteln bei gleichzeitiger Reduzierung der Fördermittel erhöht den Druck auf die Krankenhäuser, Rationalisierungspotenziale konsequent auszuschöpfen. Laut einer Analyse des Deutschen Krankenhaus Instituts wird mittlerweile weniger als die Hälfte der Krankenhausinvestitionen aus den öffentlichen Fördermitteln der Bundesländer bestritten. Die Finanzierung der Investitionen stellt sich insbesondere für Einrichtungen der öffentlichen Hand als Herausforderung dar, denn die Finanzlage der Kommunen, die in der Vergangenheit häufig für Fehlbeträge aus dem laufenden Geschäftsbetrieb ihrer Krankenhäuser aufkamen und deren Investitionen mitgetragen haben, wird weiter angespannt bleiben. Dies wird die finanziellen Möglichkeiten zur Unterstützung von defizitären Krankenhäusern und zu Investitionen in öffentliche Gesundheitseinrichtungen weiter einschränken und Privatisierungen fördern.

Eine Zunahme des Anteils privater Krankenhäuser zulasten öffentlicher Einrichtungen ist daher grundsätzlich zu erwarten. Private Krankenhausketten und große Klinikverbünde können dem Druck zu mehr Wirtschaftlichkeit tendenziell besser begegnen als öffentliche Einrichtungen. Sie verfügen oft über mehr Erfahrung hinsichtlich wirtschaftlich orientierten Handelns, über effiziente Strukturen und die Möglichkeit, Kostenvorteile im Einkauf zu erzielen. Auch haben private Träger meist mehr Erfahrung im Prozess-Know-how bei der Akquisition und Integration neuer Kliniken sowie einer raschen Anpassung ihrer Kostenstrukturen. Für das Jahr 2011 erwarten Experten angesichts der schwierigeren Lage der Kliniken vermehrt Privatisierungen.

Eine weitere Herausforderung für Krankenhäuser wird auch zukünftig die Personalknappheit sein, die u. a. auf eine restriktive Arbeitszeitgesetzgebung sowie einen erhöhten Fachkräftebedarf in ausgewählten Bereichen zurückzuführen ist. Allein im ärztlichen Bereich gehen Experten von rund 6.000 unbesetzten Stellen aus. Die langfristige Bindung qualifizierter Fachkräfte und deren Weiterbildung gelten als wesentliche Erfolgsfaktoren im Krankenhaus.

Neben effizienten Betriebsabläufen, einem attraktiven Behandlungsspektrum und qualifizierten Mitarbeitern ist vor allem die hervorragende medizinische Qualität wesentliches Kriterium für ein erfolgreiches Krankenhaus. HELIOS ist davon überzeugt, dass ein systematisches Qualitätsmanagement und eine Dokumentation der medizinischen Ergebnisqualität nicht nur als Marketinginstrumente dienen, sondern Teil des Krankenhausmanagements und somit auch der Vergütung werden sollten. Langfristig werden Initiativen erwartet, die die Einführung einer qualitätsabhängigen Vergütung (Pay-for-Performance) vorsehen bzw. Krankenhäusern die Option eröffnen, Selektivverträge mit Krankenversicherungen zu schließen. Auf eine solche Entwicklung wäre die HELIOS-Kliniken-Gruppe dank ihrer konsequenten Ausrichtung auf Qualität und Transparenz bestens vorbereitet.

Für den Rehabilitationsbereich sind derzeit keine Konsequenzen aus gesetzlichen Änderungen absehbar. Gleichwohl wird der Preis- und Steuerungseinfluss durch die Kostenträger weiter zunehmen. Angesichts des demografischen Wandels, steigender Lebensarbeitszeit und der wachsenden Zahl chronischer Krankheiten gehen Experten von einer zunehmenden Bedeutung der medizinischen Rehabilitation aus. Wir erwarten zudem, dass wir durch die steigenden Fallzahlen im Akutbereich und durch eine kontinuierliche Optimierung unseres Überleitungsmanagements unsere Potenziale aus der Verbindung zwischen Akut- und Reha-Versorgung besser nutzen und somit die Zahl der Fälle in unseren Rehabilitationskliniken steigern können.


Quellen: Bundesministerium für Gesundheit, Deutsche Krankenhausgesellschaft

DER MARKT FÜR ENGINEERING- UND DIENSTLEISTUNGEN FÜR KRANKENHÄUSER UND ANDERE GESUNDHEITSEINRICHTUNGEN

In den Industrieländern ist aufgrund der demografischen Entwicklung weiterhin mit einer zunehmenden Nachfrage nach hochwertiger und effizienter medizinischer Versorgung und damit auch nach Engineering- und Dienstleistungen für Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen zu rechnen. Im Vordergrund stehen die Dienstleistungen, d. h. Wartung und Instandhaltung der Medizin- und Krankenhaustechnik, Facility-Management, Technische Betriebsführung bis hin zur Gesamtbetriebsführung sowie infrastrukturelle Prozessoptimierungen – insbesondere im Rahmen von Public-Private-Partnership-Modellen. Zusätzliche Wachstumschancen ergeben sich durch die fortschreitende Privatisierung des Gesundheitswesens.

In den Schwellenmärkten steigt die Nachfrage, vor allem im Bereich Aufbau und Weiterentwicklung der Infrastruktur, aber auch nach effizienter und bedarfsgerechter medizinischer Versorgung. Der Aufbau der primären Versorgung ist weitestgehend abgeschlossen. In vielen Märkten gilt es, den Ausbau der sekundären Versorgung voranzutreiben bzw. im Rahmen von „Centers of Excellence“ tertiäre Versorgungsstrukturen sowie Lehr- und Forschungsstrukturen zu schaffen. Insgesamt erwarten wir, dass der Markt für Engineering- und Dienstleistungen für Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen auch im Jahr 2011 wachsen wird.

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