Gesamtwirtschaftlicher Ausblick

Die Entwicklung der Weltwirtschaft wird auch im Jahr 2011 mit Risiken behaftet bleiben. Zum einen wird erwartet, dass die nach wie vor angespannte Situation auf den Finanz- und Immobilienmärkten die wirtschaftliche Dynamik in den Industrieländern bremsen wird. Zum anderen gehen Experten von einer leichten Eintrübung der Konjunkturperspektiven in den Schwellenländern aus, die sich bislang als Konjunkturmotor erwiesen hatten. Dies ist u. a. auf die wachsende Sorge vor einem abrupten Ende der möglicherweise blasenhaften Entwicklung der Immobilienpreise in China zurückzuführen. Darüber hinaus sehen sich viele Industrieländer mit der Aufgabe konfrontiert, ihre zuletzt stark gestiegene Verschuldung im öffentlichen als auch im privaten Sektor zurückzuführen. Der daraus resultierende Nachfragerückgang erhöht zusammen mit noch immer unterausgelasteten Kapazitäten und einer hohen Arbeitslosigkeit das Deflationsrisiko in den betroffenen Ländern. Die bereits sehr expansiv ausgerichtete Geldpolitik vieler Volkswirtschaften schränkt den Spielraum zur Begrenzung eines solchen Risikos weiter ein.

Vor diesem Hintergrund wird erwartet, dass im Jahr 2011 der weltwirtschaftliche Aufschwung an Tempo verlieren dürfte. Insgesamt soll sich das globale BIP um rund 3,9 % erhöhen.

EUROPA

Für das Jahr 2011 wird erwartet, dass sich die positive Entwicklung der meisten Länder im Euro-Raum weiter fortsetzen wird. Für die Peripherieländer des Währungsgebiets wird hingegen von einer bestenfalls schleppenden Konjunktur ausgegangen. Hier wiegen die realwirtschaftlichen Probleme im Finanz- und Immobilienmarkt bzw. auf dem Arbeitsmarkt noch zu schwer. Angesichts der weiterhin unterausgelasteten Kapazitäten wird eine vergleichsweise moderate Ausweitung der Investitionen erwartet. Zudem werden die in den Krisenländern erforderlichen – und teilweise bereits angegangenen – Sparanstrengungen, wie Lohnanpassungen, Steuererhöhungen und der Abbau von Sozialleistungen, die inländische Konsum- und Investitionsnachfrage hemmen. Darüber hinaus wachsen Befürchtungen, dass weitere Länder wie Portugal und eventuell Spanien Hilfe aus dem EU-Rettungsschirm annehmen müssen.

Die Wirtschaftsleistung des Euro-Raums dürfte im Jahr 2011 um 1,2 % zunehmen, trotz des voraussichtlichen Rückgangs des BIPs in Griechenland und Portugal. Vor allem die starke Konjunktur in Deutschland sollte wesentlich zu diesem Wachstum beitragen, allerdings mit vermindertem Schwung, da aus den anderen Industrieländern nur noch eine abgeschwächte Nachfrage zu erwarten ist. An die Stelle außenwirtschaftlicher Impulse werden voraussichtlich zunehmend Impulse von der Binnennachfrage treten. Für das Jahr 2011 wird mit einem BIP-Wachstum von 2,0 % gerechnet.

USA

Die Konjunktur in den USA wird sich im Jahr 2011 voraussichtlich weiter beleben. Es ist zwar zu erwarten, dass die Investitionsausgaben, gestützt durch ein weiterhin sehr günstiges Zinsniveau und eine expansive Geldpolitik, etwas stärker anziehen werden. Allerdings dürften der Schuldenabbau bei den privaten Haushalten und im Finanzsektor sowie die hohe Arbeitslosigkeit den privaten Konsum weiterhin drosseln. Die gestiegene Sparquote der privaten Haushalte dürfte jedoch einen plötzlichen Einbruch des Konsums unwahrscheinlich machen. Insbesondere die träge Entwicklung am Arbeitsmarkt mit einer weiterhin hohen Arbeitslosenrate von 9,8 % dämpft die Wachstumserwartungen. Jedoch wird für das Jahr 2011 eine leichte Verbesserung der Arbeitslosenrate erwartet.

Insgesamt ist davon auszugehen, dass sich die Zuwachsrate des BIPs im Jahr 2011 auf etwa 3,1 % erhöhen wird.

ASIEN

Für die asiatischen Schwellenländer wird erwartet, dass sich das Wirtschaftswachstum im Jahr 2011 auf 7,4 % abschwächen wird. Die private Nachfrage sollte weiterhin zunehmen. Die niedrigere Wachstumsrate dürfte vor allem auf einem Rückgang der Exportwachstumsrate und dem nachlassenden Wachstum in den Industrieländern beruhen. Die Schwellenländer werden auch weiterhin von den Industrieländern abhängig bleiben, für die ein Großteil der Exporte bestimmt ist.

Für China wird im Jahr 2011 ein BIP-Wachstum von 8,7 % erwartet. Diese moderate Abschwächung gegenüber dem Vorjahr lässt sich auf drei Gründe zurückführen: erstens geringere Basiseffekte, zweitens eine erwartete Abschwächung bei der externen Nachfrage und drittens Chinas geldpolitische Straffung, die im ersten Quartal 2010 begann. Weiterhin bleibt abzuwarten, ob die chinesische Regierung zu einer weiteren Flexibilisierung der immer noch unterbewerteten Währung bereit ist.

Für Japan könnten ein Nachfragerückgang bei Konsumgütern nach dem Auslaufen der fiskalpolitischen Subventionen sowie die weltweite Konjunkturschwäche belastend wirken. Die Zuwachsrate des BIPs wird voraussichtlich 0,6 % betragen.

Die asiatischen Schwellenländer werden auch im Jahr 2011 hohe Wachstumsraten erzielen. Strukturelle Faktoren, wie der Aufholprozess gegenüber den Industrienationen, die junge und weiter wachsende Bevölkerung sowie die Verbesserungen der Infrastruktur, werden hier weiterhin Wachstumsmotor für die Volkswirtschaften sein. Im Zuge des hohen Wachstums ist mit steigender Inflation und insbesondere weiterhin steigenden Lebensmittelpreisen zu rechnen.

LATEINAMERIKA

Für Lateinamerika wird trotz einiger Anzeichen für eine Verlangsamung ein anhaltend robustes Wachstum prognostiziert. Dieses gründet vor allem auf einer weiteren erwarteten Dynamik der Binnennachfrage und positiven Effekten aus den gestiegenen Rohstoffpreisen. Weiterhin dürfte Lateinamerika von den Vorteilen eines stabilen finanziellen und wirtschaftlichen Umfelds profitieren. Die Verschuldung der Unternehmen und privaten Haushalte ist relativ gering.

Argentinien ist zwar jüngst wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt, die Risikolage bleibt aber aufgrund der politischen Instabilität weiter negativ. Im Jahr 2011 dürfte das argentinische BIP um 5,5 % wachsen. Für Brasilien erwarten Experten ein Wachstum von rund 4,5 %. Die schwächere Wachstumsprognose beruht auf der Erwartung einer etwas restriktiveren Fiskalpolitik. Auch in Mexiko sollte das Wachstum etwas nachlassen: Erwartet werden 4,0 %, da Mexikos Wirtschaft weiterhin stark von der US-Wirtschaft abhängt.


Quelle: Sachverständigenrat – Jahresgutachten 2010/2011, Banken-Research

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