Risiken des operativen Geschäfts

Produktion, Produkte und Dienstleistungen

Die Einhaltung von Produktspezifikationen und Produktionsvorschriften wird durch unsere Qualitätsmanagementsysteme gemäß den international anerkannten Qualitätsnormen ISO 9001 und den entsprechenden internen Richtlinien sichergestellt. Diese sind in Qualitätshandbüchern und Verfahrensanweisungen festgelegt. Auditoren führen an Produktionsstandorten und in Dialysekliniken regelmäßig Audits durch. Diese umfassen die Einhaltung aller Anforderungen und Vorschriften von der Leitung und Verwaltung über die Produktherstellung und die klinischen Dienstleistungen bis hin zur Patientenzufriedenheit. Unsere Produktionsstätten entsprechen grundsätzlich den internationalen „Good Manufacturing Practice“- sowie den „Current Good Manufacturing Practice“-US-Richtlinien und anderen anerkannten Standards. Möglichen Risiken bei der Inbetriebnahme neuer Produktionsstätten oder neuer Technologien begegnen wir durch sorgfältige Projektplanung und durch regelmäßige Analyse und Überprüfung der Projektfortschritte. Dem Risiko mangelnder Güte von fremdbezogenen Rohstoffen, Halbfertigprodukten und Bauteilen begegnen wir im Wesentlichen durch präzise Qualitätsanforderungen an die Lieferanten. Hierzu gehören neben der Zertifizierung durch externe Institute und der Auditierung der Lieferanten eine umfangreiche Prüfung von Vorabmustern sowie regelmäßige Qualitätskontrollen. Es werden nur qualitativ hochwertige Produkte von höchster Sicherheit und erwiesener Eignung von qualifizierten Lieferanten bezogen, die unseren Spezifikationen und Anforderungen entsprechen.

In unseren Krankenhäusern, Fachkliniken und Dialysekliniken erbringen wir medizinische Leistungen, die grundsätzlich Risiken unterliegen. Daneben bestehen Betriebsrisiken, z. B. infolge der hohen Anforderungen an die Hygiene. Diesen Risiken begegnen wir durch eine strukturierte Ablauforganisation, kontinuierliche Mitarbeiterschulungen und eine an den Bedürfnissen der Patienten ausgerichtete Arbeitsweise. Darüber hinaus arbeiten wir im Rahmen von Qualitätsmanagementsystemen kontinuierlich daran, die Behandlung der Patienten zu verbessern.

Weitere Risiken bestehen sowohl durch zunehmenden Preisdruck auf unsere Produkte als auch auf der Beschaffungsseite durch mögliche Preiserhöhungen. So könnten z. B. in den USA Änderungen in den Richtlinien zur Erstattung oder eine geänderte Verabreichung, eine Lieferunterbrechung oder schlechtere Einkaufsbedingungen von Erythropoietin (EPO) die Umsatzerlöse und das Ergebnis von Fresenius erheblich beeinträchtigen. EPO ist ein Hormon, das die Produktion roter Blutkörperchen anregt und in der Dialyse eingesetzt wird. Vor allem die ab 1. Januar 2011 vorgeschriebene Umstellung auf ein ausgeweitetes gebündeltes Medicare-Erstattungssystem für Dialysedienstleistungen, wonach die Erstattung für EPO im Basis-Erstattungssatz enthalten ist, könnte bei höheren Basiskosten für EPO Umsatzerlöse und das Ergebnis erheblich beeinträchtigen. Erstattungen und Umsatzerlöse aus der Verabreichung von EPO trugen im Geschäftsjahr 2010 rund 7 % zum Umsatz des Fresenius-Konzerns bei.

Ein steigender Wettbewerb könnte sich nachteilig auf die Preisgestaltung und Verkäufe unserer Produkte und Dienstleistungen auswirken. Durch die Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen von Wettbewerbern könnten Produkte und Dienstleistungen von Fresenius weniger wettbewerbsfähig oder sogar überflüssig werden oder Auswirkungen auf Dialysemedikamente der Fresenius Medical Care haben, für die zum Teil Mindestlizenzen zu leisten sind. Risiken im Beschaffungssektor, die sich hauptsächlich auf mögliche Preissteigerungen und Verfügbarkeiten der Rohstoffe und Güter beziehen, begegnen wir durch eine entsprechende Auswahl und Kooperation mit unseren Lieferanten, durch längerfristige Rahmenverträge in bestimmten Einkaufssegmenten sowie durch Bündelung der zu beschaffenden Mengen im Konzern. Insgesamt sind die Märkte, in denen wir arbeiten, durch Preisdruck, Wettbewerb und Kosteneinsparungen im Gesundheitssektor gekennzeichnet. Dies könnte zu geringeren Umsätzen führen und sich nachteilig auf unser Geschäft, unsere Finanzlage und unsere Betriebsergebnisse auswirken.

Den mit dem Engineering- und Krankenhaus-Dienstleistungsgeschäft verbundenen Risiken begegnen wir mit professioneller Projektsteuerung, kompetentem Projektmanagement und mit einem ausgereiften und der jeweiligen Geschäftstätigkeit angepassten System zur Erkennung, Bewertung und Minimierung dieser Risiken. Dies besteht aus organisatorischen Maßnahmen (u. a. Standards für Risikokalkulation in der Angebotserstellung, Risikoeinschätzung vor Auftragsannahme, laufendem Projektcontrolling und laufend aktualisierter Risikobewertung), Qualitätssicherungsmaßnahmen und finanztechnischen Maßnahmen (u. a. Bonitätsprüfungen, Sicherung der Zahlungen durch Vorauszahlungen, Akkreditive und abgesicherten Krediten).

Besonderen Wert legen wir auf die Einhaltung unserer Compliance-Programme und Richtlinien. Mit diesen wollen wir unseren eigenen Erwartungen wie auch denen unserer Partner entsprechen und unsere Geschäftsaktivitäten an anerkannten Standards sowie lokalen Gesetzen und Verordnungen ausrichten. Wir setzen damit verbindliche Vorgaben für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir gehen davon aus, dass wir ausreichend Vorsorge getroffen haben, dass die nationalen und internationalen Regeln beachtet werden.

Forschung und Entwicklung

Die Entwicklung neuer Produkte und Therapien ist grundsätzlich mit dem Risiko verbunden, angestrebte Entwicklungsziele nicht oder deutlich später als geplant zu erreichen. Bis zur Zulassung eines Produkts sind kostenintensive und umfangreiche präklinische Prüfungen und klinische Studien notwendig. Da unsere Entwicklungsaktivitäten unterschiedliche Produktsegmente betreffen, sind diese Risiken im Fresenius-Konzern breit gestreut. Zudem begegnen wir etwaigen Risiken aus Forschungs- und Entwicklungsprojekten dadurch, dass wir die Entwicklungstrends kontinuierlich analysieren und evaluieren sowie die Projektfortschritte überprüfen. Daneben wird die strikte Einhaltung gesetzlicher Vorgaben in der klinischen und chemisch-pharmazeutischen Forschung und Entwicklung überwacht. Im Bereich der I.V.-Arzneimittel ist ferner die rechtzeitige und stetige Einführung neuer Produkte entscheidend. Anhand detaillierter Projektpläne und einer strikten Orientierung an Erfolgsfristen kann die Entwicklung von Produkten jederzeit überwacht werden, mit der Möglichkeit, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, falls die geplanten Ziele nicht erreicht werden.

Risiken aus Akquisitionen

Mit der Übernahme und der Integration anderer Unternehmen ist Fresenius Risiken ausgesetzt, die sich nachteilig auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage von Fresenius auswirken können. Nach einer Akquisition müssen die Infrastrukturen des erworbenen Unternehmens integriert, rechtliche und vertragliche Fragen gelöst, Marketing, Service für Patienten sowie logistische Abläufe vereinheitlicht werden. Im Laufe der Integration könnte es zum Verlust wesentlicher Führungskräfte kommen, und der Geschäftsablauf sowie die Geschäftsbeziehungen zu Kunden und Mitarbeitern könnten in Mitleidenschaft gezogen werden. Ferner könnten Change-of-Control-Klauseln in Anspruch genommen werden. Der Integrationsprozess könnte sich als schwieriger bzw. zeitlich aufwändiger und kostenintensiver erweisen als erwartet. Bei der Geschäftstätigkeit der neu erworbenen Gesellschaften könnten Risiken auftreten, die von Fresenius nicht erkannt oder als nicht wesentlich erachtet wurden. Vorteile, die Fresenius sich von dem Erwerb verspricht, könnten nicht oder nicht im geplanten Maße eintreten. Künftige Akquisitionen könnten eine Herausforderung für die Finanzierung und das Management unseres Geschäfts darstellen. Ferner kann der Erwerb von Unternehmen zur Folge haben, dass Fresenius direkt oder mittelbar in die Haftung gegenüber Dritten genommen wird oder Ansprüche gegenüber Dritten sich als nicht durchsetzbar erweisen.

Die im Jahr 2008 von Fresenius übernommene Gesellschaft APP Pharmaceuticals haftet gegenüber der von ihr im Jahr 2007 abgespalteten Gesellschaft Abraxis BioScience, Inc. für Geschäftsvorfälle vor der Abspaltung, die sich im Rahmen des bei der heutigen APP Pharmaceuticals verbliebenen Geschäfts ereignet haben. Im Gegenzug stellt Abraxis BioScience die APP Pharmaceuticals frei von Ansprüchen, die sich auf Sachverhalte im Geschäftsfeld der heutigen Abraxis BioScience vor der Abspaltung beziehen. Inwieweit Abraxis BioScience solche potenziellen Ansprüche zukünftig wird befriedigen können, lässt sich nicht vorhersehen.

Aufgrund der Übernahme von APP Pharmaceuticals durch Fresenius könnte die Steuerfreiheit der im Jahr 2007 durchgeführten Abspaltung infrage gestellt werden. Ein im Rahmen der Übernahme eingeholtes Steuerrechtsgutachten bestätigt, dass die Akquisition von APP Pharmaceuticals die Steuerfreiheit der Abspaltung im Jahr 2007 nicht beeinträchtigen sollte. Da das eingeholte Gutachten sowie der darin zugrunde gelegte Sachverhalt für die US-Steuerbehörde je doch nicht bindend ist, könnte sie zu einer anderen Einschätzung kommen. Dies könnte zu substanziellen Steuernachzahlungen führen.

Risiken aus Akquisitionen begegnen wir durch detaillierte Integrationspläne sowie durch ein dezidiertes Integrations- und Projektmanagement, um bei Abweichungen von der erwarteten Entwicklung frühzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Personalrisiken

Dem Risiko des Mangels an qualifiziertem Personal wirkt die Gesellschaft vorsorglich durch geeignete Rekrutierungsmaßnahmen und Personalentwicklungsprogramme entgegen. Auch durch die Einrichtung von Langzeitkonten in verschiedenen Bereichen wollen wir die Bindung an unser Unternehmen sichern. Darüber hinaus profitieren unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter u. a. von attraktiven Sozialleistungen sowie zum Teil von Erfolgszahlungen. Dem generellen Mangel an Klinikfachpersonal begegnet Fresenius durch gezieltes Personalmarketing. Auf diesem Weg gewinnen wir qualifiziertes und motiviertes Fachpersonal und sichern so den hohen Standard der Behandlungsqualität. Gleichzeitig sollen junge Mitarbeiter qualifiziert und an das Unternehmen gebunden werden. So bindet z. B. HELIOS Nachwuchsärzte durch eine intensive Betreuung schon zu Studienzeiten und während des praktischen Jahres. Risiken im Bereich Personalmarketing werden aufgrund all dieser Maßnahmen als nicht wesentlich eingestuft.

Finanzrisiken

Aus der internationalen Ausrichtung der Geschäftstätigkeit ergeben sich für den Fresenius-Konzern vielfältige Fremdwährungsrisiken. Die Finanzierung der Geschäftstätigkeit setzt den Konzern darüber hinaus verschiedenen Zinsänderungsrisiken aus. Um mögliche nachteilige Auswirkungen dieser Risiken zu begrenzen, setzen wir im Rahmen unseres Risikomanagements u. a. auch derivative Finanzinstrumente ein. Wir beschränken uns dabei auf marktgängige, außerbörslich gehandelte Instrumente, die wir ausschließlich zur Sicherung von Grundgeschäften nutzen, nicht aber zu Handels- oder Spekulationszwecken. Alle Transaktionen erfolgen mit Banken mit einem hohen Rating.

Der Fresenius-Konzern betreibt das Währungsmanagement auf der Grundlage einer vom Vorstand verabschiedeten Richtlinie, in der Ziele, Organisation und Ablauf der Risikomanagementprozesse festgelegt sind. Sie definiert insbesondere die Verantwortlichkeiten für die Ermittlung der Risiken, für den Abschluss von Sicherungsgeschäften und für die regelmäßige Berichterstattung über das Risikomanagement. Diese Verantwortlichkeiten sind auf die Entscheidungsstrukturen in den übrigen Geschäftsprozessen des Konzerns abgestimmt. Entscheidungen über den Einsatz derivativer Finanzinstrumente im Zinsmanagement werden grundsätzlich in enger Abstimmung mit dem Vorstand getroffen. Die Geschäfte mit derivativen Finanzinstrumenten werden, bis auf vereinzelte devisenrechtlich bedingte Ausnahmen, unter Kontrolle der zentralen Treasury-Abteilung des Fresenius-Konzerns getätigt und unterliegen strenger interner Aufsicht. So ist sichergestellt, dass der Vorstand über alle wesentlichen Risiken und über die bestehenden Sicherungsgeschäfte stets umfassend informiert ist.

Grundsätzlich ist der Fresenius-Konzern sowohl im Hinblick auf Währungs- als auch Zinsrisiken in hohem Maße gesichert: Von den Finanzverbindlichkeiten des Fresenius-Konzerns zum 31. Dezember 2010 sind rund 74 % durch Festsatzfinanzierungen bzw. durch Zinssicherungen gegen einen Zinsanstieg geschützt, sodass lediglich 26 % bzw. 2.284 Mio € einem Zinsänderungsrisiko unterliegen. Eine Sensitivitätsanalyse zeigt, dass ein Anstieg der für Fresenius relevanten Referenzzinsen um 0,5 % einen Einfluss auf das Konzernergebnis von weniger als 1 % hätte.

Fresenius unterliegt als international tätiger Konzern in hohem Maße Translationseffekten aufgrund sich ändernder Währungsrelationen; hierbei spielt angesichts des starken US-Geschäfts besonders das Verhältnis von US-Dollar zu Euro eine Rolle. Translationsrisiken werden nicht gesichert. Eine Sensitivitätsanalyse zeigt, dass eine US-Dollar-Euro-Veränderung von 1 Cent einen jährlichen Effekt von etwa 59 Mio € auf den Konzernumsatz und von rund 1,5 Mio € auf das Konzernergebnis hätte.

Als weltweit tätiger Konzern verfügen wir in allen wesentlichen Währungsräumen über Produktionskapazitäten. In den Servicegeschäften decken sich unsere Umsatz- und Kostenbasis in hohem Maße. Die Währungsrisiken aus unserer Geschäftstätigkeit (Transaktionsrisiken) nehmen tendenziell in geringerem Maße zu als das Umsatzwachstum. Für die Abschätzung und Quantifizierung der Transaktionsrisiken in fremder Währung betrachten wir die mit hinreichender Wahrscheinlichkeit eintretenden Zahlungsströme der nächsten drei Monate als relevante Bemessungsgrundlage für eine Sensitivitätsanalyse. Diese unterstellt, dass sich alle Wechselkurse, in denen wir zum Stichtag offene Währungspositionen hatten, um 10 % negativ verändern. Durch Multiplikation der ermittelten ungesicherten Währungspositionen mit diesem Faktor ergibt sich ein maximal möglicher negativer Einfluss aus Transaktionsrisiken auf die Ertragslage des Konzerns in Höhe von 18 Mio €. Informationen hierzu finden Sie auch im Anhang.

Finanzwirtschaftliche Risiken, die aus Akquisitionen und Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenwerte resultieren könnten, sind Gegenstand sorgfältiger und detaillierter Prüfungen unter Einbeziehung externer Beratung. Ferner wird die Werthaltigkeit der in der Konzernbilanz enthaltenen Firmenwerte und der sonstigen immateriellen Vermögenswerte mit unbestimmbarer Nutzungsdauer im Rahmen des jährlichen Impairment-Tests festgestellt. Weitere Informationen hierzu finden Sie im Anhang.

Das Risiko von Zahlungsverzögerungen bzw. -ausfällen von Kunden begrenzen wir, indem wir in der Regel die Kreditwürdigkeit von Neukunden bewerten, ferner führen wir kontinuierlich Nachfolgebewertungen und Prüfungen der Kreditlimits durch. Wir überwachen Außenstände bestehender Kunden und bewerten das Ausfallrisiko der Forderungen.

Die Verschuldung von Fresenius hat sich durch die Finanzierung der Akquisition von APP Pharmaceuticals im Jahr 2008 deutlich erhöht. Die Finanzverbindlichkeiten betrugen 8.784 Mio € zum 31. Dezember 2010. Die Verschuldung könnte die Fähigkeit zur Zahlung von Dividenden, die Refinanzierung und die Einhaltung von Kreditklauseln oder die Umsetzung der Geschäftsstrategie beeinträchtigen. Vor dem Hintergrund einer anhaltenden schwierigen allgemeinen Finanzmarktsituation könnten sich mögliche Finanzierungsrisiken für Fresenius ergeben. Diese Risiken reduzieren wir durch einen hohen Anteil an mittel- und langfristigen Finanzierungen mit einem ausgewogenen Fälligkeitsprofil. Darüber hinaus besteht nur ein begrenzter kurzfristiger Finanzierungsbedarf im Konzern.

Staatliche Erstattungszahlungen

Die Geschäftstätigkeit von Fresenius unterliegt in nahezu allen Ländern umfassenden staatlichen Regulierungen. Davon sind wir insbesondere in den USA und in Deutschland betroffen. Darüber hinaus hat Fresenius weitere allgemein anwendbare Rechtsvorschriften zu beachten, die sich von Land zu Land unterscheiden. Sollte Fresenius gegen diese Gesetze oder Vorschriften verstoßen, kann dies vielfältige Rechtsfolgen nach sich ziehen.

Fresenius erzielt einen wesentlichen Teil des Konzernumsatzes aus staatlichen Erstattungen, z. B. aus Erstattungen für Dialysedienstleistungen aus den US-Bundesgesundheitsversorgungsprogrammen. Zum 1. Januar 2011 wurde ein neues Pauschalvergütungssystem für die Dialyse für staatlich versicherte Patienten (Medicare) eingeführt. Alle Produkte und Dienstleistungen, die bislang gemäß dem Erstattungssatz (Composite Rate) vergütet wurden, sowie separat erstattete Leistungen, wie die Verabreichung bestimmter Medikamente und die Durchführung von diagnostischen Labortests, werden künftig mit einem Pauschalsatz erstattet. Dieser anfängliche Basis-Erstattungssatz wird auf 229,63 US$ je Dialysebehandlung festgesetzt und entspricht damit 98 % der geschätzten nach dem derzeitigen Erstattungssystem berechneten Kosten des Medicare-Programms für Dialysedienstleistungen.

Dieser Basis-Erstattungssatz wird Anpassungen aufgrund der Fallzusammensetzung unterworfen sein. Die Merkmale der einzelnen Patienten wie z. B. Alter, Größe der Körperoberfläche, Körpermassenzahl, Länge der Dialysebehandlung sowie Sterblichkeitszusammenhänge sollen die patientenspezifischen Gegebenheiten widerspiegeln. Basierend auf der gesetzlichen Annahme, dass lediglich ca. 43 % der Dialysekliniken in den USA unter dem neuen Vergütungssystem vergütet werden, wurde ein Übergangsfaktor berechnet, der den Basis-Erstattungssatz für 2011 um zusätzlich 3,1 % (der sogenannte Übergangsfaktor) vermindert, um eine budget-neutrale Einführung zu gewährleisten. Ab 2012 wird der Erstattungsbetrag erstmalig jährlichen Anpassungen unterliegen, die auf dem Anstieg der Kosten eines „Warenkorbs“ aus bestimmten Produkten und Dienstleistungen des Gesundheitswesens abzüglich einer Produktivitätsanpassung beruhen. Sollte es Fresenius Medical Care in Zusammenarbeit mit anderen Dialysedienstleistern nicht gelingen, den Übergangsfaktor zu überarbeiten, Abläufe bei der Behandlung der Patienten zu ändern und Kosteneinsparungen beim Arzneimittelkauf zu verhandeln als auch Effizienzsteigerungen und verbesserte Patientenbehandlungserfolge durch Initiativen zur Verbesserung der Patientenversorgung zu erreichen, könnte das neue Pauschalvergütungssystem zu niedrigeren Umsatzerlösen und einem niedrigeren Ergebnis führen.

Änderungen der Gesetzgebung bzw. der Erstattungspraxis könnten den Umfang der Erstattungen für Dienstleistungen als auch den Umfang des Versicherungsschutzes beeinflussen. Dies könnte erhebliche nachteilige Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit und die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage von Fresenius haben.

Rechtsrisiken

Risiken, die sich im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten ergeben, werden innerhalb des Unternehmens fortlaufend identifiziert, bewertet und kommuniziert. Unternehmen in der Gesundheitsbranche sind regelmäßig Klagen wegen Sorgfaltspflichtverletzungen, Produkthaftung, Verletzung ihrer Gewährleistungspflichten, Behandlungsfehlern und anderen Ansprüchen ausgesetzt. Diese können Schadenersatzforderungen und Kosten für die Rechtsverteidigung mit sich bringen, unabhängig davon, ob letztlich ein Schadenersatzanspruch besteht. Klageverfahren können ferner dazu führen, dass Risiken dieser Art zukünftig nicht mehr zu angemessenen Bedingungen versichert werden können. Produkte aus der Gesundheitsbranche können zudem Rückrufaktionen und Patentverletzungsklagen unterliegen.

Im Jahr 2003 wurde ein abschließender Vergleich geschlossen zur endgültigen Beilegung der Gläubigeranfechtungsforderungen sowie aller weiteren sich aus dem Insolvenzverfahren von W.R. Grace ergebenden Rechtsangelegenheiten im Zusammenhang mit der NMC-Transaktion des Jahres 1996. Nachdem der W.R. Grace & Co. Reorganisations- und Sanierungsplan bestätigt worden ist, wird Fresenius Medical Care gemäß der Vergleichsvereinbarung insgesamt 115 Mio US$ ohne Zinsen an die W.R. Grace & Co.-Konkursmasse bzw. an eine andere, vom Gericht festgelegte Stelle zahlen. Die Vergleichsvereinbarung wurde vom US-Konkursgericht genehmigt. Vorbehaltlich der noch ausstehenden Bestätigung des W.R. Grace & Co. Reorganisations- und Sanierungsplans sind damit alle aus der Zeit der NMC-Transaktion stammenden Rechtsangelegenheiten endgültig abgeschlossen.

Im Juli 2007 hat die US-Staatsanwaltschaft eine Zivilklage gegen RCG und FMCH in ihrer Eigenschaft als aktuelle Muttergesellschaft der RCG vor dem US-Bezirksgericht für das Eastern District von Missouri erhoben. Mit der Klage werden Schadenersatzansprüche und Strafmaßnahmen im Hinblick auf die Geschäftstätigkeit der Method-II-Zulieferungsgesellschaft von RCG im Jahr 2005 vor dem Erwerb von RCG durch FMCH geltend gemacht. Fresenius Medical Care ist der Ansicht, dass RCG die Leitung der Method-II-Zulieferungsgesellschaft im Einklang mit geltendem Recht durchgeführt hat, dass eine Stattgabe der von den Vereinigten Staaten geltend gemachten Klagebegehrens nicht zu erwarten ist und dass sie ihre Position im Verfahren am Ende durchsetzen wird.

RCG könnte möglichen Freistellungsansprüchen früherer Mitglieder des Board of Directors ausgesetzt sein. Diese sind Beklagte in einem Sammelklageverfahren, in dem ehemalige Aktionäre dieser Gesellschaft Schadenersatz verlangen.

Fresenius Medical Care ist der Auffassung, dass die ehemaligen Board-Mitglieder in dem Rechtsstreit obsiegen werden und sich deshalb ein möglicher Anspruch erledigen wird.

Weitere Angaben zu rechtlichen Verfahren, insbesondere zu wesentlichen Patentstreitigkeiten, finden Sie im Anhang.

Darüber hinaus ist der Fresenius-Konzern in verschiedene Rechtsstreitigkeiten involviert, die sich aus der Geschäftstätigkeit ergeben. Auch wenn es nicht möglich ist, den Ausgang dieser Streitigkeiten vorherzusagen, erwarten wir aus den heute anhängigen Verfahren keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage.

Sonstige Risiken

Risiken sonstiger Art, z. B. Umweltrisiken, Risiken aus Steuerungs- und Controllingsystemen oder im Bereich unserer Informationstechnologiesysteme, wurden als nicht wesentlich eingestuft. So tritt Fresenius Risiken im Bereich der Informationstechnologie durch Sicherungsmaßnahmen, Kontrollen und Prüfungen entgegen. Darüber hinaus begegnen wir diesen Risiken durch kontinuierliche Investitionen in Hard- und Software; gleichzeitig verbessern wir stetig unser System-Know-how. Solche Risiken decken wir im Rahmen eines detaillierten Notfallplans ab, den wir kontinuierlich verbessern und testen. Wichtige Systeme, wie internationale IT-Systeme oder Kommunikationsinfrastruktur, halten wir redundant vor. Um organisatorische Risiken, wie Manipulationen oder unzulässige Zugriffe, zu minimieren, haben wir einen Zugriffsschutz durch Passwörter eingerichtet; außerdem sind Unternehmensrichtlinien zu beachten, die auch die Berechtigungsvergabe regeln und deren Einhaltung durch Kontrollen überprüft wird. Daneben führen wir operative und sicherheitsbezogene Prüfungen durch.

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