Branchenspezifische Rahmenbedingungen

Der Gesundheitssektor zählt zu den weltweit bedeutendsten Wirtschaftszweigen. Er ist im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen weitgehend unabhängig von konjunkturellen Schwankungen und konnte in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich wachsen.

Wesentliche Wachstumsfaktoren sind

  • zunehmender Bedarf an medizinischer Behandlung, den eine älter werdende Gesellschaft mit sich bringt,
  • steigende Nachfrage nach innovativen Produkten und Therapieformen,
  • medizintechnischer Fortschritt,
  • zunehmendes Gesundheitsbewusstsein, das zu einem steigenden Bedarf an Gesundheitsleistungen und -einrichtungen führt.

In den Schwellenländern sind die Triebfedern darüber hinaus

  • stetig zunehmende Zugangsmöglichkeiten und steigende Nachfrage nach medizinischer Basisversorgung sowie
  • steigendes Volkseinkommen und damit auch höhere Ausgaben für Gesundheit.

Gleichzeitig steigen die Kosten der gesundheitlichen Versorgung und bilden einen immer höheren Anteil am Volkseinkommen. Die Gesamtausgaben für Gesundheit der OECD-Länder im Jahr 2008 beliefen sich im Durchschnitt auf 9,0 % des BIPs. Dies entspricht durchschnittlich 3.060 US$ pro Kopf. Die höchsten Ausgaben pro Kopf verzeichneten wie in den Vorjahren die USA (7.538 US$), gefolgt von Norwegen (5.003 US$) und der Schweiz (4.627 US$). Deutschland belegt mit 3.737 US$ den neunten Rang im OECD-Ländervergleich.

ANTEIL DER GESUNDHEITSAUSGABEN AM BIP


in % 2008 2000 1990 1980 1970
Quelle: OECD Health Data 2010
USA 16,0 13,6 12,2 9,0 7,1
Frankreich 11,2 10,1 8,4 7,0 5,4
Schweiz 10,7 10,2 8,2 7,3 5,4
Deutschland 10,5 10,3 8,3 8,4 6,0

in % 2008 2000 1990 1980 1970
Quelle: OECD Health Data 2010
USA 16,0 13,6 12,2 9,0 7,1
Frankreich 11,2 10,1 8,4 7,0 5,4
Schweiz 10,7 10,2 8,2 7,3 5,4
Deutschland 10,5 10,3 8,3 8,4 6,0

In den OECD-Ländern betrug die Zuwachsrate der Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben in den Jahren 2000 bis 2008 durchschnittlich 4,2 % jährlich. Im gleichen Zeitraum sind in Deutschland die Gesundheitsausgaben pro Kopf um durchschnittlich 1,6 % pro Jahr gestiegen. Verglichen mit allen anderen OECD-Ländern ist dies der geringste Anstieg. Der relativ geringe Zuwachs der Gesundheitsausgaben in Deutschland ist insbesondere durch die Einführung von Maßnahmen zur Senkung der Gesundheitskosten begründet.

Die Gesundheitsausgaben der OECD-Länder wurden im Jahr 2008 durchschnittlich zu 72,8 % aus öffentlichen Mitteln finanziert. Mit weniger als 50 % weisen die USA und Mexiko die geringste Quote öffentlicher Finanzierung auf. In Deutschland lag der staatliche Anteil im Jahr 2008 bei 76,8 % und war damit nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr.

Die Lebenserwartung in den meisten OECD-Staaten hat sich in den letzten Jahrzehnten dank besserer Lebensbedingungen, Gesundheitsvorsorge sowie durch Fortschritte bei der medizinischen Versorgung erhöht. Im Jahr 2008 betrug die Lebenserwartung im Durchschnitt 79,4 Jahre. In Deutschland lag die Lebenserwartung mit 80,2 Jahren um nahezu ein Jahr über diesem Durchschnitt. Von allen OECD-Ländern hat Japan mit 82,7 Jahren die höchste Lebenserwartung.

Um die stetig steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen zu begrenzen, werden zunehmend die Versorgungsstrukturen überprüft und mögliche Kostensenkungspotenziale identifiziert. Verstärkt werden marktwirtschaftliche Elemente in das Gesundheitswesen eingeführt, um Anreize für kosten- und qualitätsbewusstes Handeln zu schaffen. Durch eine Erhöhung der Behandlungsqualität und die Optimierung der medizinischen Abläufe sollen die Behandlungskosten insgesamt reduziert werden. Darüber hinaus gewinnen Gesundheitsprogramme zur Vorsorge an Bedeutung ebenso wie innovative Vergütungsmodelle, die an die Behandlungsqualität geknüpft sind.

In unserem größten Einzelmarkt, den USA, hat die Regierung im Jahr 2010 eine umfassende Gesundheitsreform beschlossen. Sie soll die bisher rund 45 Millionen Unversicherten schrittweise in die Krankenversicherung bringen. Eine Grundversicherung wird ab dem Jahr 2014 zur Pflicht. Größere Unternehmen müssen ihren Arbeitnehmern eine Krankenversicherung anbieten, während kleine Unternehmen und einkommensschwache Haushalte eine staatliche Beihilfe zum Abschluss einer Krankenversicherung erhalten. Mit diesen Maßnahmen plant die US-amerikanische Regierung, den Anteil der Versicherten von derzeit rund 85 % auf 95 % der Bevölkerung bis zum Jahr 2019 zu erhöhen.

Im Folgenden werden die Entwicklungen in unseren wichtigsten Märkten näher erläutert:

Der Dialysemarkt

Der Wert des weltweiten Dialysemarktes betrug im Jahr 2010 rund 69 Mrd US$, was einem währungsbereinigten Wachstum von 4 % entspricht. Etwa 57 Mrd US$ entfielen auf Dialysedienstleistungen (inklusive Dialysemedikamente), rund 12 Mrd US$ auf Dialyseprodukte.

Die Zahl der Dialysepatienten stieg weltweit um rund 7 % auf mehr als 2,0 Millionen. Die regionale Aufteilung zeigt folgendes Bild:

Die Prävalenz, also die relative Zahl der an terminaler Niereninsuffizienz erkrankten und behandelten Menschen pro Million Einwohner, ist regional sehr unterschiedlich und weist eine Schwankungsbreite von weit unter 100 bis deutlich über 2.000 Patienten pro Million Einwohner (PME) auf. Die höchste Prävalenz mit einem Wert von 2.700 PME hat Taiwan, gefolgt von Japan mit 2.490 PME und den USA mit rund 1.890 PME. In den 27 Ländern der Europäischen Union liegt dieser Wert im Durchschnitt bei rund 1.030. Die weitaus geringere durchschnittliche Welt-Prävalenz von rund 380 PME lässt sich zum einen durch Unterschiede in der Altersstruktur und in den Risikofaktoren für Nierenerkrankungen, wie Diabetes und Bluthochdruck, erklären sowie durch genetische Disposition und kulturelle Unterschiede, wie die der Ernährung. Zum anderen ist der Zugang zu Dialysebehandlungen in vielen Ländern so begrenzt, dass viele Menschen mit terminaler Niereninsuffizienz nicht behandelt werden können und deshalb auch nicht in der Prävalenzrechnung erfasst sind. Ein Vergleich der jeweiligen Wirtschaftskraft eines Landes mit seinen Prävalenzwerten zeigt, dass vor allem in Ländern mit einem jährlichen Pro-Kopf-BIP von weniger als 10.000 US$ nicht jeder Erkrankte Zugang zu einer Behandlung hat. Insgesamt zeigt die steigende weltweite Prävalenz jedoch, dass immer mehr Menschen eine Nierenersatztherapie erhalten.

Dialysedienstleistungen

Von den 2,0 Millionen Patienten, die im Jahr 2010 eine regelmäßige Behandlung erhielten, unterzogen sich mehr als 89 % der Hämodialyse. Rund 11 % haben sich für eine Peritonealdialyse entschieden. Die überwiegende Mehrheit der Hämodialysepatienten wurde in einer der weltweit rund 29.000 Dialysekliniken versorgt, die im Durchschnitt jeweils 70 Hämodialysepatienten betreuen.

Je nachdem, ob die Gesundheitssysteme in den einzelnen Ländern eher staatlich oder privatwirtschaftlich organisiert sind, unterscheiden sich die Organisationsstrukturen erheblich: So werden in den USA die meisten der über 5.000 Dialysekliniken privat betrieben und nur etwa 1 % staatlich. In der Europäischen Union hingegen werden rund 60 % der mehr als 5.000 Dialysekliniken von der öffentlichen Hand geführt. In Japan spielen private Nephrologen eine wichtige Rolle, die dort etwa 80 % der Dialysekliniken betreiben.

In den USA ist der Markt für Dialysedienstleistungen bereits stark konsolidiert: Fresenius Medical Care und der zweitgrößte Anbieter von Dialysedienstleistungen – DaVita – versorgen zusammen etwa 65 % aller Patienten. Im Jahr 2010 hat Fresenius Medical Care seine marktführende Position von etwa 33 % behauptet.

Außerhalb der USA ist der Dialysedienstleistungsmarkt äußerst fragmentiert: Hier konkurriert Fresenius Medical Care insbesondere mit unabhängigen Einzelkliniken und Kliniken, die Krankenhäusern angegliedert sind. Fresenius Medical Care betreibt 934 Dialysekliniken in mehr als 35 Ländern und behandelt mehr als 76.959 Patienten. Damit verfügt das Unternehmen über das mit Abstand größte und internationalste Dialysenetzwerk.

Die Zahl der Peritonealdialysepatienten betrug im Jahr 2010 weltweit rund 219.000. Fresenius Medical Care versorgt etwa 39.000 Patienten mit Peritonealdialyseprodukten und hat einen Marktanteil von rund 17 %, gemessen am Umsatz. In den USA belief sich der Anteil auf 26 %. Fresenius Medical Care ist nach Baxter weltweit die Nummer zwei in diesem Markt.

Die Vergütungssysteme für die Dialysebehandlung unterscheiden sich von Land zu Land, oft variieren sie sogar innerhalb einzelner Länder. In den USA wird terminales Nierenversagen von den staatlichen Trägern erstattet. Die staatlichen Gesundheitsfürsorgeprogramme Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS) stellen für mehr als 80 % der Dialysepatienten die medizinische Versorgung im Land sicher. Im Jahr 2010 resultierten 32 % des Umsatzes der Fresenius Medical Care aus Erstattungen des CMS. Änderungen in der Kostenerstattung des CMS haben daher eine besondere Bedeutung für unser Geschäft in Nordamerika.

Dialyseprodukte

Zu den wichtigsten Produkten im Dialysemarkt zählen Dialysatoren, Hämodialysegeräte, Konzentrate und Dialyselösungen sowie Produkte für die Peritonealdialyse. Fresenius Medical Care ist im Dialyseproduktgeschäft mit einem Marktanteil von rund 33 % weltweit das führende Unternehmen, gefolgt von Baxter mit 19 % und Gambro mit 15 %. Damit versorgen diese drei Hersteller rund zwei Drittel des Marktes. Der Marktanteil der restlichen, mehrheitlich japanischen Anbieter lag jeweils im einstelligen Prozentbereich. Dialysatoren bilden die größte Produktgruppe. Das Marktvolumen belief sich im Jahr 2010 auf rund 203 Millionen Stück. Davon hat Fresenius Medical Care rund 92 Millionen Stück, also knapp die Hälfte, produziert. Ein noch besseres Bild ergibt sich bei Hämodialysegeräten: Von den etwa 69.000 neu in den Markt gebrachten Geräten stammen rund 55 % von Fresenius Medical Care. In den USA, unserer wichtigsten Geschäftsregion, belief sich unser Marktanteil an diesen beiden Produktgruppen im unabhängigen Markt auf über 80 %. Als unabhängigen Markt definieren wir alle Dialysekliniken, die nicht von einem größeren und USA-weit agierenden Dialysedienstleister wie Fresenius Medical Care oder DaVita betrieben werden. Im Jahr 2010 war China nach den USA unser zweitgrößter Absatzmarkt für neu verkaufte Hämodialysegeräte. Wir haben mehr als 3.800 Geräte verkauft. Mittlerweile stammt mit über 48 % schon fast die Hälfte der Geräte, die in China eingesetzt werden, von Fresenius Medical Care.

Der Markt für Infusions- und Ernährungstherapien, I.V.-Arzneimittel und medizintechnische Produkte

In den Märkten, in denen Fresenius Kabi aktiv ist, gibt es vier wesentliche Wachstumsfaktoren:

  • den zunehmenden Bedarf an medizinischer Behandlung durch eine älter werdende Gesellschaft,
  • die steigende Nachfrage nach innovativen Therapien,
  • das steigende Volkseinkommen in den Schwellenländern als Triebfeder für höhere Ausgaben im Gesundheitssektor und damit besseren Zugang zu Gesundheitsleistungen sowie
  • den Einsatz generischer Produkte im Zuge der Einsparbestrebungen im Gesundheitswesen.

Insgesamt setzen sich die Bestrebungen zu Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen weiter fort. Diese richten sich nach unserer Einschätzung aus heutiger Sicht vor allem auf die Preisbildung für patentgeschützte Arzneimittel und das Segment verschreibungspflichtiger Arzneimittel im Apothekenmarkt. So kommt es für die Zukunft in noch höherem Maße darauf an, beste Produkte und Therapien zu bezahlbaren Preisen bereitzustellen für einen Gesundheitsmarkt, der in zunehmendem Maße von Finanzierungsnöten und steigendem Bedarf geprägt ist.

Im Markt für Infusionstherapien und klinische Ernährung gewinnen angesichts des allgemeinen Kostendrucks in Mittel- und Westeuropa solche Therapien an Bedeutung, die eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung bieten und gleichzeitig aus ökonomischen Gesichtspunkten vorteilhaft sind. Studien belegen, dass durch die Gabe von Nahrungssupplementen bei krankheits- und altersbedingter Mangelernährung Krankenhauskosten in Höhe von durchschnittlich 1.000 € pro Patient eingespart werden können – durch kürzere Liegezeiten und geringeren Pflegebedarf. Mindestens 25 % aller Patienten in Europa sind bei der Aufnahme in das Krankenhaus mangelernährt oder haben ein erhöhtes Risiko, eine Mangelernährung zu entwickeln. Wesentlich höhere Zahlen um 50 bis 60 % werden für Pflegebedürftige, besonders im Seniorenalter, angegeben. Die Kosten, die durch krankheitsbedingte Mangelernährung verursacht werden, liegen europaweit bei 170 Mrd € jährlich.

Das Wachstum des Marktes für Infusionstherapien und klinische Ernährung liegt in Mittel- und Westeuropa insgesamt im unteren einstelligen Prozentbereich. In den Wachstumsregionen Asien-Pazifik, Lateinamerika und Osteuropa liegen die Wachstumsraten im hohen einstelligen bis zweistelligen Prozentbereich.

Fresenius Kabi geht nach eigenen Erhebungen davon aus, dass sich das für sie relevante Marktvolumen für Infusionstherapien und klinische Ernährung (ohne USA und Japan) in einer Größenordnung von rund 8 Mrd € bewegt.

Darüber hinaus erwarten wir, dass die Nachfrage nach generischen Arzneimitteln weiter steigen wird. Generische Arzneimittel sind aufgrund ihres deutlich geringeren Preises unter gesundheitsökonomischen Aspekten vorteilhafter als Originalpräparate und liefern schon heute einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherung der Gesundheitsversorgung.

Der Markt für generische I.V.-Arzneimittel ist grundsätzlich charakterisiert durch ein moderates Volumenwachstum, stetigen Preisrückgang und starken Wettbewerb. Zuwächse werden im Wesentlichen durch neue generische Produkte erzielt, die nach Ablauf des Patentschutzes des Originalpräparats in den Markt kommen. Das Wachstum des Marktes für generische I.V.-Arzneimittel bewegt sich in Europa und in den USA im mittleren einstelligen Prozentbereich. Wir erwarten, dass der Markt für I.V.-Arzneimittel, die zwischen den Jahren 2010 und 2020 in den USA ihren Patentschutz verlieren, kumuliert rund 22 Mrd US$ betragen wird. Diese Werte basieren auf den Umsätzen der Originalpräparate im Jahr 2009 und enthalten nicht die für Generika üblichen Preisabschläge.

Nach eigenen Erhebungen geht Fresenius Kabi davon aus, dass sich das für sie relevante Marktvolumen für intravenös verabreichte generische Arzneimittel (ohne Japan) in einer Größenordnung von rund 14 Mrd € bewegt.

Der Markt für medizintechnische Produkte im Bereich der Infusionstherapie, I.V.-Arzneimittel und klinischen Ernährung wächst in Europa im mittleren einstelligen Prozentbereich. Wachstumstreiber sind hier insbesondere technologische Innovationen, die die Sicherheit der Anwendung und die Effizienz der Therapie erhöhen.


Quellen: Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. 2009; eigene Erhebung, Marktdaten beziehen sich auf die für Fresenius Kabi relevanten, adressierbaren Märkte. Sie unterliegen zudem jährlichen Schwankungen, u. a. aufgrund von Veränderungen der Währungsrelationen und Patentabläufen der Originalpräparate im Markt der I.V.-Arzneimittel.

Der deutsche Krankenhausmarkt

Im Jahr 2008 betrug das Gesamtvolumen der Krankenhausleistungen1 (ohne Forschung und Lehre) in Deutschland rund 70 Mrd € und damit etwa ein Viertel aller Gesamtausgaben im Gesundheitswesen. Rund 61 % der Krankenhauskosten sind Personalaufwendungen, 39 % sind Sachkosten. Die Personalkosten erhöhten sich um 3,4 %, die Sachkosten um 6,3 %.

Die Anzahl der Krankenhäuser betrug im Jahr 2009 2.084 (2008: 2.083). Die Zahl der Betten verzeichnete nach Jahren des Abbaus einen geringfügigen Rückgang auf 503.341 (2008: 503.360). In den letzten fünf Jahren betrug der Bettenrückgang durchschnittlich 1,0 %. Dennoch liegt Deutschland mit 6,15 Betten je 1.000 Einwohner noch weit über dem OECD-Durchschnitt von 3,6 (2008). Im Jahr 2009 hat bundesweit die Verweildauer eines Patienten in einer Akutklinik um insgesamt 0,1 Tage abgenommen und lag bei 8,0 Tagen.

Die Fallzahl ist hingegen gestiegen. Nach Einführung der DRG-basierten Vergütung war die Fallzahl in den deutschen Akutkliniken zunächst rückläufig. Obwohl Leistungen in den ambulanten Bereich verlagert wurden, steigen die Fälle seit dem Jahr 2006 aber wieder kontinuierlich an. Eine wesentliche Triebfeder des Wachstums ist der demografische Wandel der Gesellschaft. Im Jahr 2009 lag die Fallzahl bei 17,82 Millionen, dies entspricht einem Zuwachs von rund 300.000 Fällen gegenüber dem Jahr 2008 bzw. 1,7 %. Pro 1.000 Einwohner entspricht das 218 Fällen. Andere Länder liegen deutlich unter diesem Wert. Der EU-Durchschnitt betrug 175 Fälle je 1.000 Einwohner im Jahr 2008. In den Jahren 2005 bis 2009 ist die Fallzahl in Deutschland um durchschnittlich 1,9 % p. a. gestiegen. Die durchschnittlichen Kosten je Fall haben sich bis 2008 um 2,5 % im Fünfjahresdurchschnitt erhöht.

Eine Umfrage des Deutschen Krankenhaus Instituts ergab, dass die wirtschaftliche Lage vieler Krankenhäuser in Deutschland weiterhin angespannt ist. 56 % der Einrichtungen erwarten für das Geschäftsjahr 2010 einen Jahresüberschuss (2009: 44 %), 16 % einen Jahresfehlbetrag (2009: 26 %) und 28 % ein ausgeglichenes Ergebnis (2009: 27 %). Rund 44 % der befragten Krankenhäuser beurteilen ihre wirtschaftliche Lage als eher gut, 19 % sehen sie eher unbefriedigend. Die verbleibenden 37 % bewerten die Lage als gemischt. Die Insolvenzgefahr der Krankenhäuser wird für das Jahr 2010 auf 8 % (2009: 11 %) geschätzt.

Die oft schwierige finanzielle und wirtschaftliche Situation der Kliniken geht einher mit einem enormen Investitionsbedarf, der größtenteils auf einen Investitionsstau zurückzuführen ist. Dieser stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich an, da die Bundesländer aufgrund von Haushaltsproblemen ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Finanzierung notwendiger Investitionen und größerer Instandhaltungsmaßnahmen nicht ausreichend nachkommen konnten. Der Fortschritt in der Medizintechnik, erhöhte Qualitätsanforderungen und notwendige Modernisierungen steigern maßgeblich den Investitionsbedarf. Das Bundesministerium für Gesundheit schätzt den jährlichen Investitionsbedarf in deutschen Kliniken auf 5 Mrd €.

Vor diesem Hintergrund hat sich der Privatisierungstrend im deutschen Krankenhausmarkt fortgesetzt, wenn auch sehr verhalten: Die privaten Betreiber konnten ihren Anteil im Jahr 2009 auf 16,6 % (2008: 15,9 %) erhöhen. Mit 48,7 % lag der größte Anteil der Krankenhausbetten jedoch weiterhin in der öffentlichen Hand (2008: 49,0 %), wie die Grafik zeigt.

Nach unseren Erhebungen lag das Umsatzvolumen aus Krankenhaustransaktionen im Jahr 2010 bei rund 230 Mio € und damit noch unter dem Vorjahreswert (2009: 504 Mio €).

Das im März 2009 in Kraft getretene Krankenhaus­finanzierungs­reform­gesetz (KHRG) wirkte sich auch im Jahr 2010 grundsätzlich positiv auf die finanzielle Situation der Krankenhäuser aus und führte zu Erlössteigerungen, die Experten mit 4 % p. a. in den Jahren 2009 und 2010 beziffern.

KENNZAHLEN ZUR STATIONäREN VERSORGUNG IN DEUTSCHLAND


  2009 2008 2007 2006 2005 Veränderung 2009/2008
1 Nach Bruttogesamtkosten
Krankenhäuser 2.084 2.083 2.087 2.104 2.139 0 %
Betten 503.341 503.360 506.954 510.767 523.824 0 %
Betten je 1.000 Einwohner 6,15 6,13 6,16 6,20 6,35 0,3 %
Verweildauer (Tage) 8,0 8,1 8,3 8,5 8,7 - 1,2 %
Fälle (Mio) 17,82 17,52 17,18 16,83 16,54 1,7 %
Ø Kosten je Fall in €1 n. a. 4.146 4.028 3.932 3.813 n. a.

  2009 2008 2007 2006 2005 Veränderung 2009/2008
1 Nach Bruttogesamtkosten
Krankenhäuser 2.084 2.083 2.087 2.104 2.139 0 %
Betten 503.341 503.360 506.954 510.767 523.824 0 %
Betten je 1.000 Einwohner 6,15 6,13 6,16 6,20 6,35 0,3 %
Verweildauer (Tage) 8,0 8,1 8,3 8,5 8,7 - 1,2 %
Fälle (Mio) 17,82 17,52 17,18 16,83 16,54 1,7 %
Ø Kosten je Fall in €1 n. a. 4.146 4.028 3.932 3.813 n. a.

Seit Abschluss der Konvergenzphase zum Jahresende 2009 rechnen die Krankenhäuser ausschließlich auf Basis der Landesbasisfallwerte (DRG-System) ab.

Qualität wird immer mehr zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor im Krankenhausmarkt. Die Bedeutung von Transparenz und Vergleichbarkeit der Leistungen wird bei Patienten und ihren betreuenden Ärzten weiter zunehmen.

Der Rehabilitationsklinikmarkt in Deutschland lag mit insgesamt 1.240 Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen im Jahr 2009 etwa auf Vorjahresniveau. Die Bettenzahl betrug 171.489 (2008: 171.060). Private Träger betrieben 55,8 % aller Einrichtungen (2008: 56,3 %). Freigemeinnützige Träger unterhielten nahezu unverändert 26,1 % (2008: 26,0 %), und der Anteil der Einrichtungen der öffentlichen Hand stieg auf 18,1 % (2008: 17,8 %). In privaten Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen befanden sich 66,8 % (2008: 66,9 %) aller aufgestellten Betten. Die Anzahl der Betten freigemeinnütziger und öffentlicher Träger lag bei 16,0 % (2008: 16,2 %) bzw. 17,3 % (2008: 16,9 %). Während die bundesweite Fallzahl um rund 4.000 Fälle auf 2,01 Millionen sank, stieg die Verweildauer auf 25,5 Tage (2008: 25,3 Tage).


1 Daten 2009 nicht verfügbar
Quellen: Statistisches Bundesamt; Deutsches Krankenhaus Institut – Krankenhaus Barometer 2010, OECD Health Data 2010, Bundesministerium für Gesundheit

Der Markt für Engineering- und Dienstleistungen für Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen

Der Markt für Engineering- und Dienstleistungen für Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen ist sehr landesspezifisch und in starkem Maße abhängig von Faktoren wie der staatlichen Gesundheitspolitik, dem Grad der Regulierung und Privatisierung sowie wirtschaftlichen und demografischen Gegebenheiten.

In Märkten mit etablierten Gesundheitssystemen und zunehmendem Kostendruck stehen Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen vor allem vor der Herausforderung, ihre Effizienz zu steigern. Hier sind insbesondere optimierte Betriebsabläufe in den Gesundheitseinrichtungen sowie die Übernahme medizintechnischer Dienstleistungen durch externe Spezialisten gefragt. Dies ermöglicht es den Krankenhäusern, sich auf ihre Kernkompetenz, der Behandlung von Patienten, zu konzentrieren. In den Schwellenländern stehen der Aufbau und die Weiterentwicklung der Infrastruktur und die Verbesserung der medizinischen Versorgung im Vordergrund.

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